Der Diskos von Phaestos


Der Jahrtausend-Kalender der Minoer

Kapitel X
Die unsichtbar lenkende Hand und zwei Göttinen



1: Kreta, der Palast von Phaestos und der Diskos

2: Der kryptologische Schlüssel des Diskos

3: Die Sonnen-Laufbahn aus geozentrischer Sicht

4: Die ewige und heilige Venus-Periodizität

5: Die Monate des Jahres und des Jahrtausends

6: Die Zeichen des Diskos

7: Die Felder und Querverweise des Diskos im Kontext

8: Die Aussagen zur zeitlichen Position des Diskos

9: Ein Opferfest, zwei Feiertage und der Metonzyklus

10: Die unsichtbare Hand und die Göttinnen



Auf dem Diskus erscheint ein Ideogramm in Form einer umwickelten - quasi 'unsichtbaren' - Hand (auch ägyptische Hieroglyphe für 'Erbauer', 'Erschaffer') auf fünf Feldern. Auch heute noch wird vergleichbar von 'der unsichtbaren Hand' gesprochen, die 'die Geschicke der Welt leitet'.

.

B_05 : 'UNSICHTBARE HAND/ ERDE/ UNTEN/ LAUFBAHN / OBEN' (Mitte=Herbst-Equinox)
B_10 : 'UNSICHTBARE HAND/ ERDE/ UNTEN/ LAUFBAHN/ OBEN'
B_12 : 'JAHR/ UNSICHTBARE HAND/ LAUFBAHN' (12 beachten)
B_13 : 'UNSICHTBARE HAND/ ERDE/ UNTEN/ LAUFBAHN-GRENZE' (Unten=Winter-Sonnenwende)

Auf der Seite A des Diskos sehen wir noch eine Aussage, die drei Felder umfasst. Diese Angaben sind auf den Feldern der 'großen Monate' plaziert und treffen hier die wichtige zusammenhängende Aussage, dass die Synchronisation des Jahres und des Jahrtausends auf die 4 Jahrespunkte der Erde und nicht auf die (raupenförmig wandernden) Sternbilder bezogen werden müssen.

A_25/06 : 'UNSICHTBARE HAND/ HIMMELSMECHANIK/ ZYKLUS' (6 beachten)
A_26/07 : 'ZEITGLEICH/ ERDE/ JAHRESZEITEN/ ZYKLUS'
A_27/08 : 'MITTE/ SYMMETRISCH/ ASTRONOM/ ZEITGLEICH + ANFANG

Die späteren Mythen der griechischen Götter und Göttinnen habe ich im Anhang XIV kurz dargestellt. Wenn man vor diesem Hintergrund die vier Felder interpretiert, sind die Aussagen schlüssig - insbesondere fällt auf, daß die 12 (B_12) mit der Einteilung des Jahres korrespondiert. Aber auch die 3 verbundenen Aussagen auf der Seite A, plaziert im 6' Aussenfeld, ergeben Verbindungen zu mesopotamischen Keilschriftüberlieferungen (Gilgamesch; Assyrische Tafel 1, Vers 6: 'Der Kunde brachte über die Tage vor der Sintflut').

Eine 'grosse Göttin' und eine 'höchste Göttin'

Auf der Seite A des Diskos sehen wir die 'große Göttin' auf zwei Feldern. Die 'höchste Göttin' besetzt zwei Felder der Seite B. Durch die Felder A_08 und A_23/04 werden die Verbindungen zu den Aussagen der Sonne-Erde-Venus- Konjunktion auf dem Diskos mit der 'GROSSE/ GÖTTIN' und dem zu schaltenden Opferfest verifiziert. Die 'HÖCHSTE/GÖTTIN' ist dagegen mit den Aussagen zum Anbeginn der Zeit und der Zeitabschnitts-Einteilung (15 von 30 Tagen und - in der Jahrtausendrechnung - 60 von 120 Jahre) und der Gemme mit der sitzenden Taube verknüpft.

A_08 : 'STAND/ OPFERFEST/ GROSS/ GÖTTIN'

A_24/05 : 'Zeichen zerstört/ GROSS/ GÖTTIN/ ZEITGLEICH + ANFANG'

B_03 : 'ERDE/ BEACHTEN/ ZEITRAUM/ HÖCHSTE/ GÖTTIN/ ANFANG'

B_15 : 'MITTE/ IM ZEICHEN/ TAUBE/ HÖCHSTE/ GÖTTIN'

In der Archäologie sind Göttinnen-Statuen in Form einer Frau mit Säugling von allen Mittelmeeranrainern bekannt. Hier kann man verkürzend von Gäa oder Rhea sprechen; der 'Zeus' des Homer (mindestens 600 Jahre nach der Entstehung des Diskus) deckt sich nur bedingt mit den Auswertungen der Schriften und Ausgrabungen der letzten Jahre. Die Darstellung im Hathor-Tempel von Dedera, heute Louvre, Paris, zeigt ebenfalls innerhalb dieses Zeitabschnittes drei weibliche Gottheiten. Eine Göttin hat eine sitzende Position und ist mit einem Säugling dargestellt, die zweite Göttin hält zwei Anfänge in den Händen und ähnelt in dieser Darstellung der Schlangengöttin aus dem Museum in Heraklion. Eine dritte weibliche Gestalt spannt dort einen Bogen (!).


Wenn in neueren Veröffentlichungen behauptet wird, daß eine Frau die Herrscherin im Reiche der Minoer war, korrespondieren die mythologischen Aussagen des Diskos im Bezug zu der Beherrschung der Zeitrechnung.

Abbildungen: Ägyptische Statue / Hethitische Statuette (4.3cm) / Diskos-Gemme (1.4cm)










Immerhin sind dem minoischen Gott - in der Form der unsichtbaren Hand - noch die Lenkung der Sonnenlaufbahn und der Himmelsmechanik anvertraut. Damit ist er natürlich auch, wie später der 'Zeus' der klassischen griechischen Mythologie, für Vegetation und Wetter verantwortlich. Sein Wirken ist auf dem Diskos von dem Verfasser jedoch noch zusätzlich mit den Maßen und Feldpositonen des babylonischen Sexagesimalsystems verbunden worden.