Der Diskos von Phaestos

Der Jahrtausend-Kalender der Minoer

Kapitel IX
Ein Opferfest, zwei Feiertage und die Mondzyklen


 

1: Kreta, der Palast von Phaestos und der Diskos

2: Der kryptologische Schlüssel des Diskos

3: Die Sonnen-Laufbahn aus geozentrischer Sicht

4: Die ewige und heilige Venus-Periodizität

5: Die Monate des Jahres und des Jahrtausends

6: Die Zeichen des Diskos

7: Die Felder und Querverweise des Diskos im Kontext

8: Die Aussagen zur zeitlichen Position des Diskos

9: Ein Opferfest, zwei Feiertage und der Metonzyklus

10: Die unsichtbare Hand und die Göttinnnen
 
 


Zwei jahreszeitlich bezogene Feste sind auf dem Diskos durch die zwei eingesetzten Ideogramme 'WEIN-RYTON', Nr. 20, als 'Feiertage' erkennbar :

das Fest zur Sommer-Sonnenwende (siehe Diagramm unter Punkt 3, 'HÖCHSTER/ TAG/ NACHT/ NACHT/ BAHNGRENZE'), also "Der höchste Feiertag, der so lang ist wie zwei Nächte" (16/8h) und

das Fest zur Winter-Sonnenwende (siehe Diagramm unter Punkt 5, 'TAG/ NACHT/ ZEITGLEICH/ MITTE'), "Der Feiertag in der zeitgleichen Mitte zwischen den Tagundnachtgleichen". 

Die Gemme des Rython gleicht dem in Zakros gefundenen Exemplar einer aus Bergkristall herausgearbeiteten Vase, die zusätzlich mit goldenen Ornamenten ausgeschmückt wurde. Ein Fresko aus dem Palast von Knossos zeigt die vermutlich an den Festtagen ausgeübten Stierspringer- Wettkämpfe. 

Ein weiterer fixierter Festtag auf dem Diskos ist das im ersten Jahr der Venus-Periode - und damit zur Sonnen-Venus-Konjunktion - alle acht Jahre einzuschaltende Opferfest zu Ehren der 'Grossen Göttin'. Der Sarkophag aus der Villa von Hagia Triada zeigt hier ein sehr anschauliches Bild der Opferzeremonie.

Da das erste Jahr der Venusperiode durch das Opferfest besetzt war, verknüpft der Diskos die Schalttage auf das 2'te und 5'te Jahr der Periode. Daß die Schalttage 'im Zeichen des Bogens' standen, kann schon aus den kleinasiatischen Rollsiegel- Darstellungen erkannt werden.

Nach Auswertung der schematischen Zusammenhänge die Verifikationen der Querverweise. Dabei wurde klar erkennbar, daß innerhalb der Felder A_01 bis A_06 auf zwei herrschende Zeitrechnungen hingewiesen wird. 

Die drei Felder A_01 (ZEIT/ HERRSCHER/ ZEPTER) und A_02 (LAUF/ JAHR) sowie A_03 (1/2 VENUS/ PERIODE/ HÖCHSTER/ DOPPELZYKLUS/ Aussage beendet) beschreiben die Berechnung des Jahrtausends. 

Die folgenden drei Felder A_04(ZEIT/ HERRSCHER/ ZEPTER) und A_05 (HÖCHSTER/ STAND/ BEACHTEN) sowie A_06 (LAUF/ JAHR/ Aussage beendet) verknüpfen durch die Querverweise (nach Feld A_11, von dort nach Feld A_21) diese Feld-Aussage mit dem Prinzip der Dagon- Priesterschaft und den Mondphasen. Das Feld B_28 (MOND/ BEACHTEN/ PERIODE/ ANFANG) ist über Querverweis mit dem Feld A_21 (ERDE/ SYMMETRISCH/ VOLL/ LAUF) und Feld A_22 (HÖCHSTER/ STAND/ VOLL/ Aussage beendet) als 29' und 30' Feld ergänzt.

Berücksichtigt man, daß das Modul nach 19 Feldern mit A_19 (IM ZEICHEN/ BOGEN) abschließt, kann dies der Hinweis sein, daß neben dem Solar-Kalender auch ein ritueller Lunar-Kalender nach dem Metonzyklus geführt wurde!

Bekanntlich basiert der heute noch in dem Luni-Solar-Kalender gelebte Metonzyklus auf der Tatsache, daß sich nach exakt 19 tropischen Jahren der synodische Mondzyklus synchronisiert (19 * 365,2422 = 235 * 29,53 Tage). In diesen Kalendern wechseln die Mond-Monate zu 29 und 30 Tagen und werden in 19 Jahren durch 7 zusätzliche Mond-Monate ergänzt. Abweichung hier; die Ritualien beginnen bei Neumond, auf dem Diskus ist jedoch lediglich die Beobachtung des Vollmondes vorgeschrieben.

Herodot berichtete, dass in jedem Stadtstaat in Mesopotamien ein eigener Mondkalender existiere. Die weitergehende Beobachtungen der Mond- und Sonnenfinsternisse und die Einbindung in die ritualen Kalendarien wurden zumeist von der Priesterschaft als 'Geheimlehre' tradiert.