Der Diskos von Phaestos

Der Jahrtausend-Kalender der Minoer

Kapitel IV
Die ewige und heilige Venus-Periodizität


 

1: Kreta, der Palast von Phaestos und der Diskos

2: Der kryptologische Schlüssel des Diskos

3: Die Sonnen-Laufbahn aus geozentrischer Sicht

4: Die ewige und heilige Venus-Periodizität

5: Die Monate des Jahres und des Jahrtausends

6: Die Zeichen des Diskos

7: Die Felder und Querverweise des Diskos im Kontext

8: Die Aussagen zur zeitlichen Position des Diskos

9: Ein Opferfest, zwei Feiertage und der Metonzyklus

10: Die unsichtbare Hand und die Göttinnen
 
 

Für die Minoer war die ewig gültige achtjährige Sonne-Erde-Venus-Periodizität der Taktgeber der Jahrtausend-Zeitrechnung.

Die nebenstehende Skizze verdeutlicht den Zusammenhang aus der heutigen heliozentrischen Sichtweise und an den aktuellen Jahreszahlen. 

Am 11.6.2000 - 10 Tage vor der Sommer-Sonnenwende steht die Venus in einer Entfernung von 250 Mio.km am 'oberen Konjunktionspunkt', hinter der Sonne und ist somit nicht sichtbar. In Folge umkreist die Erde die Sonne in 365,246 Tagen, die Venus benötigt für einen Umlauf jedoch nur 224,7 Tage. In 8 Erdenjahren hat die Venus 13 'siderische' (auf gleiche Fixsternen bezogen) Umläufe vollendet. Damit ist am 11.6.2001 und am 11.6.2003 die Venus vor Sonnenaufgang als Morgenstern, am 11.6.2002 nach Sonnenuntergang als Abendstern sichtbar. 

2004 steht die Venus vor der Sonne am 'unteren Konjunktionspunkt'und ist wiederum nicht sichtbar. Nun kehrt sich die Aussage zur Sichtbarkeit der Venus um; am 11.6.2005 und am 11.6.2007 ist die Venus als Abendstern, am 11.6.2006 als Morgenstern sichtbar. Die nächste obere Konjunktion findet dann am 9.6.2008 - 12 Tage vor der Sommer-Sonnenwende, statt.

Als Ergänzung ist die unterschiedliche Höhe der Venus aus der heliakischen Sichtweise (ex oriente) des Diskos skizziert. Die größte Elongation (Winkelabstand bei aufgehender Sonne betrachtet) soll man nach den Anweisungen des Diskos im zweiten Jahr des Doppelzyklus beachten.

Die exakte Bestimmung des Beginns einer Periode in den zwei unterschiedlichen Hälften zu je 4 Jahren = 1460 Tage ('Grosser Tag') war Maßstab für die Bestimmung der 12 grossen Monate. Im Verlauf der Jahrhunderte durchlaufen die Sonne-Erde-Venus-Konjunktionen ebenfalls alle Sternbilder - und die jahreszeitlichen Eckpunkte (!). Bei der Einfügung von Schalttagen bleibt dabei der Neujahrstag (heliakischer Sirius) zur Sommer-Sonnenwende konstant, die Sonne-Erde- Venuskonjunktionen durchwandern dann rückläufig den gesamten Jahreskalender. Somit archäoastronomisch nachbildbare Bezugspunkte, die ggf. anhand von mesopotamischen und ägyptischen Überlieferungen verifiziert werden könnten.
Eine strenge Beachtung der Gesetzmäßigkeiten (auf dem Diskos zwei identische Felder mit der Aussage 'GROSS/ BEACHTEN/ PERIODE/ HIMMELSSCHIFF/ ZYKLUS/ ANFANG') erlaubt dann durch Einfügung von Schalttagen (IM ZEICHEN/ BOGEN) die Zuordnungen zu den Jahreseckpunkten. Basis für ein astronomisches Kalendarium, das frei von historischen Bezügen aber auch frei von Sternbild-Axiomen und Präzessions-Überlieferungen ist. Soweit auf dem Diskos erkennbar, müssen zum Beginn einer Ära heliakischer Siriusaufgang und oberer Konjunktionspunkt des Sonne-Erde-Venuszyklus auf einen Tag fallen.

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In dem Modul 1 der Seite A, den Feldern A_01 bis A_19, wird in der Form von vier fliegenden Vögeln in den verschiedenen Stellungen die Sichtbarkeit mit x-Ost-West-West dargestellt. Bei zwei Durchläufen durch dieses Modul (siehe auch das Ideogramm 'Rechen mit 2*4 Zacken') und unter Berücksichtigung der Position der umgekehrten Tierfelle im Feld A_16 muß die Aussage zur Sichtbarkeit nach dem 3' Jahr und nach dem 7' Jahr umgekehrt werden. Hieraus ist die heliakische Sichtbarkeit der Venus als Morgen- oder Abendstern für die ersten 4 Jahre mit x-Ost-West-Ost, für die zweiten 4 Jahre mit x-West-Ost-West entschlüsselbar und über die Jahrtausende leicht verifizierbar.

Das Ideogramm des Fisches wird in dem Feld B_15 (Mitte des Monates von 30 Tagen), im 6' Aussenfeld B_24 (Mitte des Jahres) und auch für die Darstellung des 3' und 7' Jahres der Venus-Periode herangezogen. Die geraden Jahre (2',4' und 6',8' Jahr) sind mit den 'Laufbeinen' der Zeitrechnung symbolisiert. Hier besteht ein direkter Bezug zu den von Layard um 1850 in Ninive an den Eingängen zu den Priesterbibliotheken gefundenen Darstellungen der Dagon-Priesterschaft (Fisch mit den zwei Laufbeinen).

Weiterhin wird ausgesagt (Feld A_08), daß alle 8 Jahre ein Opferfest zu Ehren der 'großen Erdenmutter' zelebriert werden muß. Die Schalttage stehen auf dem Diskos, wie auf den Rollsiegel-Darstellungen der Chaldäer, 'im Zeichen des Bogens' (Feld A_19) und sind nach Angabe der Querverweise im 2' und 6' Jahr der Venus-Periode zu schalten. Es muß alle vier Jahre ein Schalttag (heute 29.2.2000 und 2004 - nach dem Diskos ein Zusatztag 'IM ZEICHEN/ BOGEN') eingefügt werden, um den Hintergrund des Sternen-Himmels zu synchronisieren. Damit scheint eine völlige Harmonie der Zeitrechnung mit der 'Himmelsmechanik' erreicht zu werden.

Am 8.6.2004 konnte man den sehr seltenen Durchgang der Venus als schwarzen Punkt vor der Sonnenscheibe beobachten. Durch den Größen- und den Helligkeitsunterschied von Sonne und Venus und durch die Ekliptik der Venus-Laufbahn von ca. 3 Grad findet nur selten diese sichtbare untere Konjunktion statt. Auf dem Diskus sind im Feld A_05, leichter und ständig observierbar, Angaben zum Folgejahr nach dem oberen Konjunktionspunkt 'HÖCHSTER/ STAND/ BEACHTEN' gemacht worden. Die Venus hat in diesem Jahr, wie bereits erwähnt, dann die eindeutig höchste Elongation als Morgenstern im gesamten Doppelzyklus. 

Die zweite Venus-Periodenhälfte wird durch Feld A_28 'UNSYMMETRISCH/ UMLAUF/ UMLAUF' als 'unsymmetrischer doppelter Umlauf' gekennzeichnet (unsymmetrisch, da die Sichtbarkeit der Venus unterschiedlich zu den Vorjahren ist). Daß der Flug der Venus mit dem Flug eines Raubvogels (Falke) verglichen wird, ist wahrscheinlich begründet durch die schnelle Steigung vom Horizont und die Schleifenbildung der Laufbahn (durch die gleichzeitige Veränderung der Position der Erde auf der Umlaufbahn), die selbst ein bedeutender Astronome wie Johannes Kepler aus einer geozentrischen Sichtweise zuerst nicht erklären konnte.
 

Vermutlich war den Priestern die Präzession (Sternbildverschiebungen) bekannt und sie konnten auf eine Tontafel-Bibliothek zurückgreifen - siehe auch die Anweisung 'ÜBERLIEFERUNGEN/ GROSS(WICHTIG)/ BEOBACHTUNGEN/ GRAVIERT' und als Observationsanweisung 'GROSS(WICHTIG)/ SCHREIBEN/ GRAVIEREN'.

Damit werden die zwei Felder auf der Seite A interpretierbar 'GROSS/ BEACHTEN/ PERIODE/ HIMMELSCHIFF/ ZYKLUS/ ANFANG', verbunden mit den Feldern der Seite B 'HIMMELSCHIFF/ (ÜBERLIEFERUNGEN) STERNE/ PERIODE/ OBEN'. In einer Art 'Konzil' müssten die mykenischen, mesopotamischen und ägyptischen Priester sich einigen, welche Zeitpunkt der fünf oberen Venus-Konjunkten ggf. gemeinschaftlich gültig sein sollen. Beispiel: obere Konjunktion 11.6.2000 oder 13.1.2002 oder 17.8.2003 oder 30.3.2005 oder 4.11.2006.


Rollsiegel des Schreibers Adda, Britisches Museum London, ME 89115. Zitat: 'Dargestellt sind - von rechts nach links - der janusköpfige Noah-Utnapischtim, der in zwei Welten lebte, der Welt vor und nach der Sintflut;GU.LA, das Sternbild EN.KI-Eas, des Herrn und Repräsentanten der Erde, die Schwalbe SIM.MACH. Die Fische, der Brunnen mit dem Schreiber, die Venus, der Zentralstern und Gilgamesch (SIPA.ZI.AN.NA) mit seinem Bogen (BAN), die Lanze (KAK.SI.SA) und Löwe (UR.GU.LA)'.

Unter www.britishmuseum.org + 'greenstone seal of Adda' finden wir;"...Ishtar, the goddess of fertility (indicated by the cluster of dates) an war (the weapons rising from her shoulders) stands winged for victory..." Ups; Der astronomische Zeitpunkt und die akkadische Zeitrechnung ist symbolisch dargestellt - interpretiert wird im Exponatentext des Museums heute 'Fruchtbarkeit', 'Krieg' und 'Sieg' !?


Eine Anmerkung zu diesem Rollsiegel, das auf 2.300 bis 2.200 v.Chr. datiert wird; Um 2.140 steht der Haupstern des Löwen (rot) auf Position der Sommer-Sonnenwende. Der Widder (grün) steht an der Schwelle zur Position der Frühlings-Tag-Nacht-Gleiche. Die Venus als Zeitgeber (2) wird analog zu den mykenischen und ägyptischen Darstellungen hier mit 2*3 Pfeile im Köcher (Zyklus = 2* Venus nicht sichtbar + 3* sichtbar in Osten=4 und 3* sichtbar im Westen=3) und mit einem rückwärts gewandten Fuss (1) dargestellt. Die Venuskonjunktionen wandern ja bekanntlich rückwärts in ca. 1264 Jahren durch den Jahreskalender, die der Schreiber 'Adda'(gelb) als historischen Bezugspunkt dokumentieren musste.
Fisch, Widder, Schwalbe und Bogen finden wir auch als Gemmen-Stempel auf dem Diskos von Phaistos.