1: Kreta, der Palast
von Phaestos und der Diskos
2: Der kryptologische
Schlüssel des Diskos
3: Die Sonnen-Laufbahn
aus geozentrischer Sicht
4: Die ewige und
heilige Venus-Periodizität
5: Die Monate des
Jahres und des Jahrtausends
6: Die Zeichen des
Diskos
7: Die Felder und
Querverweise des Diskos im Kontext
8: Die Aussagen
zur zeitlichen Position des Diskos
9: Ein Opferfest,
zwei Feiertage und der Metonzyklus
10: Die unsichtbare Hand und die Göttinnen
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Die Felder B_01 bis B_18 enthalten
- unter anderem - die Beschreibung der Sonnenlaufbahn aus geozentrischer
Sichtweise. Bezogen auf einen Gnomon (Schattenzeiger) kann mit
diesem Verhältnis aber auch die Distanz zwischen dem kürzesten
und längsten Schattenpunkt in Relation zu dem Punkt der Tagundnachtgleichen
mit der Tangens-Funktion L = 1/tan(90-Breitengrad Kreta) +/- 23,5 Grad beschrieben
werden. Eine 10m hoher Gnomon würde in Phaistos eine Schattenlänge von 2.03m (zur Sommer-Sonnenwende),
7.00m (zu den Tag-Nacht-Gleichen) und 16.31m (zur Winter-Sonnenwende) verursachen.
.
Der Diskos beschreibt die Sonnenlaufbahn
mit dem Ideogramm des Hundekopfes, vergleichbar einem Hund, der eine Herde
in regelmäßigen Bahnen umkreist und an den Grenzpunkten wittert.
An der oberen und unteren Laufbahngrenze sowie am Schnittpunkt der Sonnenlaufbahn
(B_05, B_13 und B_18) ist der Gemmenstempel mit dem Hundekopf nach oben
gerichtet - sonst, je nach Verlauf, nach unten (B_02), nach rechts (B_10,B_11,B_12)
oder revers (B_16) dargestellt. Die Felder B_02 bis B_13 beschreiben den
Verlauf vom höchsten zum niedrigsten Sonnenstand, die Felder B_14
bis B_18 den Verlauf vom Frühlingspunkt bis zur Sommer- Sonnenwende.
Der schematisch erzwungene Rücksprung von der Winter-Sonnenwende B_13
zum Frühlingspunkt wird in B_14 mit der Aussage 'LAUF(GEHE)/ ZYKLUS/
HIMMELSZELT/ ANFANG' = 'Gehe zum Anfang der Sonnen-Laufbahn' umschrieben.
Dadurch ist es möglich, daß der Diskos hier statt 2*13= 26 Innenfeldern
nur 13+5=18 Innenfelder benötigt. Bei 30 Feldern
sind auf dem Diskos die 12 Aussenfelder für die Darstellung
der Monate reserviert! Ich kann nur hoffen, dass dem Verfassern die Verkryptung in
das Schema genau soviel Spass und Kopfschmerzen bereitet hat wie mir die Entkryptung aus dem Schema...
Ein weiteres Beispiel zu einer Feldaussage:
Die Aussage im Feld B_18, der Sommer-sonnenwende, behauptet mit 'HÖCHSTER/
(FEIER)TAG/ NACHT/ NACHT/ BAHNGRENZE', daß der höchste Feiertag
(mit 16 Stunden) so lang wie zwei Nächte (mit je 8 Stunden) ist. Eine
vergleichbare Aussage ist bereits aus ägyptischen Hieroglyphen überliefert.
Für Kreta habe ich das heute gebräuchliche Axiom 'bürgerliche
Dämmerung' (Sonne -6 Grad) angewandt. Für die Sommer-Sonnenwende
BC. 1800 betrug die Nachtlänge 'ohne Mond' 8h28m und 'mit
Mond' 7h51m. Damit ist aber m. E. die gewollte Aussage der Sommer-Sonnenwende
für die Breitengrade 30-35 nördlicher Länge ausreichend genau dargestellt.
Ausschnitt aus dem Wandfries im Palast
von Pylos. Es bleibt also 'nur' noch die Frage,
wieso auf dem Diskos die Gemme in Form eines Hundekopfes in den unterschiedlichen
Einprägungen die Sonnen-Laufbahn darstellt. Hierzu möchte ich
auf einen Beitrag von Bernhard Schlag hinweisen, in dem er unter dem Titel
'Thematische Bindungen der Hundedarstellung im bronzezeitlichen Griechenland'
darauf hinweist, daß diese Darstellungen
'
zuerst von der minoischen Kultur entwickelt' wurden und in der mykenischen
Kultur fortlebten, immer aber mit dem Kult des 'Wächter des Heiligtumes'
und dem 'Begleiter der Gottheit' in Verbindung gebracht wurden.
Durch die Dornen-Verknüpfung zur Beschreibung
des Verlaufes des Sonnenstandes innerhalb der Jahreszeiten werden alle Aussagen
zu den Jahreseckpunkten auf der Seite B gleich zweifach verifiziert:
1 Frühjahrs-Tag-Nacht-Gleiche
1.1 Innenfeld B_14 ..............LAUF/
ZYKLUS/ HIMMELZELT/ ANFANG
1.2 Aussenfeld B_29/11 ......HÖCHSTER/
ERDE/ JAHRESZEIT/ ZYKLUS
Eine Umsetzung dieser aus dem Schema
entkrypteten Symbole in eine lebendige Sprache ist relativ einfach. Die
Frühjahrs-Tag-Nacht-Gleiche ist in allen Standardeinstellungen (auch
auf dem Rechnern-> Übersichtskarte-> Normal) heute noch der 0 Grad-/0
Uhr-Punkt für die Darstellungen des sinusförmigen Verlaufes der
Sonnenbahn - so gesehen 'der Anfang des zyklischen
Laufes am Himmelszelt'. Die zweite Aussage kann als 'höchster zyklischer
Punkt innerhalb der Jahreszeiten der Erde' interpretiert werden, vergleichbar
mit der kirchlichen Betrachtung, die das höchste Fest der Christenheit
- Ostern, als Fest der Auferstehung - mit dem Frühlingspunkt (Kompromiss von Nicea 325 n.Chr:;
dem darauf folgenden Stand des Vollmondes und dem darauf folgendem Wochenende/Wochenanfang) verknüpft.
2. Sommer-Sonnenwende
2.1 Innenfeld B_18 .............HÖCHSTER/
TAG/ NACHT/ NACHT/ LAUFBAHN-GRENZE
2.2 Aussenfeld B_19/1 ......LAUF/
ZEITRECHNUNG/ HIMMELSCHIFF/ ZYKLUS
Dass zur Sommer-Sonnenwende der 'höchste
Tag so lang wie zwei Nächte und obere Grenze der Sonnenlaufbahn' darstellt,
bedarf keiner weiteren Erklärung. Der Neujahrstag ist ebenfalls hier
positioniert; 'Beginn der zyklischen Zeitrechnung bei Sichtbarkeit
des Himmelschiffes' wird bei einer heliaktischen Sicht zur Sirusposition logisch.
3 Herbst-Tag-Nacht-Gleiche
3.1 Innenfeld B_10 .............UNSICHTBARE HAND/
ERDE/ UNTEN/ LAUFBAHN-GRENZE
3.2 Aussenfeld B_23/5 ......GROSS/
LAUF/ JAHR/ ERDE/ ZERTEILT
Die Herbst-Tag-Nacht-Gleiche wird
hier als 'Unsichtbare Hand bestimmt die obere und untere Laufbahngrenze' umschrieben.
Dass die umwickelte, quasi unsichtbare, Hand für die Vegetation, das Wetter, die Sonnen-Laufbahn und die
Himmelsmechanik (Feld A_25/6) zuständig ist wird noch in weiteren
Felder herausgestellt. Das die Sonnenlaufbahn das Jahr in vier Zeitzonen zerteilt, wird die Aussage 'Unsichtbare Hand
zerteilt den Lauf des Jahres
der Erde' mit dem Symbol der Axt verständlich.
4 Winter-Sonnenwende
4.1 Innenfeld B_13 .............UNSICHTBARE HAND/
ERDE/ UNTEN/ LAUFBAHN-GRENZE
4.2 Aussenfeld B_26/8 ......ZEITGLEICH/(FEIER-)
TAG/ NACHT/ MITTE
Dass im Winter die tangentiale Schattenlänge
an dem Gnomon immer länger wird, bis schließlich 'die unsichtbare Hand die untere
Laufbahngrenze' bestimmt, ist leicht interpretierbar. Die bei uns Mittel-
oder Nordeuropäer recht kalte Winter-Sonnenwende als 'Mitte zwischen
den Tag-Nacht-Gleichen' zu beschreiben ist logisch durchaus richtig, aber
eben ungewöhnlich. Diese Umschreibung ist entweder dem begrenzten
Gemmenvorrat zuzuschreiben oder sie dient dem gezielten Hinweis auf einen
zweiten Jahres-Feiertag zur Sommer-Sonnenwende und zur Winter-Sonnenwende (Gemme 'Weinrython'
wurde auf dem Diskos nur zweimal eingesetzt).
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