Der Diskos von Phaestos

Der Jahrtausend-Kalender der Minoer

Kapitel III
Die Sonnen-Laufbahn aus geozentrischer Sicht


 

1: Kreta, der Palast von Phaestos und der Diskos

2: Der kryptologische Schlüssel des Diskos

3: Die Sonnen-Laufbahn aus geozentrischer Sicht

4: Die ewige und heilige Venus-Periodizität

5: Die Monate des Jahres und des Jahrtausends

6: Die Zeichen des Diskos

7: Die Felder und Querverweise des Diskos im Kontext

8: Die Aussagen zur zeitlichen Position des Diskos

9: Ein Opferfest, zwei Feiertage und der Metonzyklus

10: Die unsichtbare Hand und die Göttinnen
 
 


Die Felder B_01 bis B_18 enthalten - unter anderem - die Beschreibung der Sonnenlaufbahn aus geozentrischer Sichtweise. Bezogen auf einen Gnomon (Schattenzeiger) kann mit diesem Verhältnis aber auch die Distanz zwischen dem kürzesten und längsten Schattenpunkt in Relation zu dem Punkt der Tagundnachtgleichen mit der Tangens-Funktion L = 1/tan(90-Breitengrad Kreta) +/- 23,5 Grad beschrieben werden. Eine 10m hoher Gnomon würde in Phaistos eine Schattenlänge von 2.03m (zur Sommer-Sonnenwende), 7.00m (zu den Tag-Nacht-Gleichen) und 16.31m (zur Winter-Sonnenwende) verursachen.

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Der Diskos beschreibt die Sonnenlaufbahn mit dem Ideogramm des Hundekopfes, vergleichbar einem Hund, der eine Herde in regelmäßigen Bahnen umkreist und an den Grenzpunkten wittert. An der oberen und unteren Laufbahngrenze sowie am Schnittpunkt der Sonnenlaufbahn (B_05, B_13 und B_18) ist der Gemmenstempel mit dem Hundekopf nach oben gerichtet - sonst, je nach Verlauf, nach unten (B_02), nach rechts (B_10,B_11,B_12) oder revers (B_16) dargestellt. Die Felder B_02 bis B_13 beschreiben den Verlauf vom höchsten zum niedrigsten Sonnenstand, die Felder B_14 bis B_18 den Verlauf vom Frühlingspunkt bis zur Sommer- Sonnenwende.

Der schematisch erzwungene Rücksprung von der Winter-Sonnenwende B_13 zum Frühlingspunkt wird in B_14 mit der Aussage 'LAUF(GEHE)/ ZYKLUS/ HIMMELSZELT/ ANFANG' = 'Gehe zum Anfang der Sonnen-Laufbahn' umschrieben. Dadurch ist es möglich, daß der Diskos hier statt 2*13= 26 Innenfeldern nur 13+5=18 Innenfelder benötigt. Bei 30 Feldern sind auf dem Diskos die 12 Aussenfelder für die Darstellung der Monate reserviert!
Ich kann nur hoffen, dass dem Verfassern die Verkryptung in das Schema genau soviel Spass und Kopfschmerzen bereitet hat wie mir die Entkryptung aus dem Schema... 

Ein weiteres Beispiel zu einer Feldaussage: Die Aussage im Feld B_18, der Sommer-sonnenwende, behauptet mit 'HÖCHSTER/ (FEIER)TAG/ NACHT/ NACHT/ BAHNGRENZE', daß der höchste Feiertag (mit 16 Stunden) so lang wie zwei Nächte (mit je 8 Stunden) ist. Eine vergleichbare Aussage ist bereits aus ägyptischen Hieroglyphen überliefert. Für Kreta habe ich das heute gebräuchliche Axiom 'bürgerliche Dämmerung' (Sonne -6 Grad) angewandt. Für die Sommer-Sonnenwende BC. 1800 betrug die Nachtlänge 'ohne Mond' 8h28m und 'mit Mond' 7h51m. Damit ist aber m. E. die gewollte Aussage der Sommer-Sonnenwende für die Breitengrade 30-35 nördlicher Länge ausreichend genau dargestellt.

Ausschnitt aus dem Wandfries im Palast von Pylos. Es bleibt also 'nur' noch die Frage, wieso auf dem Diskos die Gemme in Form eines Hundekopfes in den unterschiedlichen Einprägungen die Sonnen-Laufbahn darstellt. Hierzu möchte ich auf einen Beitrag von Bernhard Schlag hinweisen, in dem er unter dem Titel 'Thematische Bindungen der Hundedarstellung im bronzezeitlichen Griechenland' darauf hinweist, daß diese Darstellungen ' zuerst von der minoischen Kultur entwickelt' wurden und in der mykenischen Kultur fortlebten, immer aber mit dem Kult des 'Wächter des Heiligtumes' und dem 'Begleiter der Gottheit' in Verbindung gebracht wurden.

Durch die Dornen-Verknüpfung zur Beschreibung des Verlaufes des Sonnenstandes innerhalb der Jahreszeiten werden alle Aussagen zu den Jahreseckpunkten auf der Seite B gleich zweifach verifiziert:

1 Frühjahrs-Tag-Nacht-Gleiche
1.1 Innenfeld B_14 ..............LAUF/ ZYKLUS/ HIMMELZELT/ ANFANG
1.2 Aussenfeld B_29/11 ......HÖCHSTER/ ERDE/ JAHRESZEIT/ ZYKLUS

Eine Umsetzung dieser aus dem Schema entkrypteten Symbole in eine lebendige Sprache ist relativ einfach. Die Frühjahrs-Tag-Nacht-Gleiche ist in allen Standardeinstellungen (auch auf dem Rechnern-> Übersichtskarte-> Normal) heute noch der 0 Grad-/0 Uhr-Punkt für die Darstellungen des sinusförmigen Verlaufes der Sonnenbahn - so gesehen 'der Anfang des zyklischen Laufes am Himmelszelt'. Die zweite Aussage kann als 'höchster zyklischer Punkt innerhalb der Jahreszeiten der Erde' interpretiert werden, vergleichbar mit der kirchlichen Betrachtung, die das höchste Fest der Christenheit - Ostern, als Fest der Auferstehung - mit dem Frühlingspunkt (Kompromiss von Nicea 325 n.Chr:; dem darauf folgenden Stand des Vollmondes und dem darauf folgendem Wochenende/Wochenanfang) verknüpft.

2. Sommer-Sonnenwende
2.1 Innenfeld B_18 .............HÖCHSTER/ TAG/ NACHT/ NACHT/ LAUFBAHN-GRENZE
2.2 Aussenfeld B_19/1 ......LAUF/ ZEITRECHNUNG/ HIMMELSCHIFF/ ZYKLUS

Dass zur Sommer-Sonnenwende der 'höchste Tag so lang wie zwei Nächte und obere Grenze der Sonnenlaufbahn' darstellt, bedarf keiner weiteren Erklärung. Der Neujahrstag ist ebenfalls hier positioniert; 'Beginn der zyklischen Zeitrechnung bei Sichtbarkeit des Himmelschiffes' wird bei einer heliaktischen Sicht zur Sirusposition logisch. 

3 Herbst-Tag-Nacht-Gleiche

3.1 Innenfeld B_10 .............UNSICHTBARE HAND/ ERDE/ UNTEN/ LAUFBAHN-GRENZE
3.2 Aussenfeld B_23/5 ......GROSS/ LAUF/ JAHR/ ERDE/ ZERTEILT

Die Herbst-Tag-Nacht-Gleiche wird hier als 'Unsichtbare Hand bestimmt die obere und untere Laufbahngrenze' umschrieben. Dass die umwickelte, quasi unsichtbare, Hand für die Vegetation, das Wetter, die Sonnen-Laufbahn und die Himmelsmechanik (Feld A_25/6) zuständig ist wird noch in weiteren Felder herausgestellt. Das die Sonnenlaufbahn das Jahr in vier Zeitzonen zerteilt, wird die Aussage 'Unsichtbare Hand zerteilt den Lauf des Jahres der Erde' mit dem Symbol der Axt verständlich. 

4 Winter-Sonnenwende
4.1 Innenfeld B_13 .............UNSICHTBARE HAND/ ERDE/ UNTEN/ LAUFBAHN-GRENZE
4.2 Aussenfeld B_26/8 ......ZEITGLEICH/(FEIER-) TAG/ NACHT/ MITTE

Dass im Winter die tangentiale Schattenlänge an dem Gnomon immer länger wird, bis schließlich 'die unsichtbare Hand die untere Laufbahngrenze' bestimmt, ist leicht interpretierbar. Die bei uns Mittel- oder Nordeuropäer recht kalte Winter-Sonnenwende als 'Mitte zwischen den Tag-Nacht-Gleichen' zu beschreiben ist logisch durchaus richtig, aber eben ungewöhnlich. Diese Umschreibung ist entweder dem begrenzten Gemmenvorrat zuzuschreiben oder sie dient dem gezielten Hinweis auf einen zweiten Jahres-Feiertag zur Sommer-Sonnenwende und zur Winter-Sonnenwende (Gemme 'Weinrython' wurde auf dem Diskos nur zweimal eingesetzt).